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Sonntag, 22. Juli 2018
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Startseite Presse 01.12.2013 Festliche Erntedankfeier des Weinbauverbandes im Kloster Eberbach
01.12.2013 Festliche Erntedankfeier des Weinbauverbandes im Kloster Eberbach Drucken
Seyffardt: „Rheingauer Weine international sichtbarer machen“

Kloster Eberbach (01.12.2013) – „Bei aller fortschreitenden Technologie auch im Weinbau, bleiben wir als Winzer doch immer auch von Mutter Natur abhängig. Insofern hat die  Erntedankfeier  für uns Winzer eine besondere Bedeutung“, mit diesen Worten begrüßte der Rheingauer Weinbaupräsident Peter Seyffardt die zahlreichen Gäste, die in diesem Jahr zur Erntedankfeier des Rheingauer Weinbauverbandes ins Kloster Eberbach gekommen waren. Die Feier zum Erntedankfest ist für den Rheingauer Weinbauverband über die Jahre und Jahrzehnte zu einer schönen Tradition geworden. Auch in diesem Jahr übergaben die Rheingauer Winzer eine Weinspende, die sogenannte St.-Urban-Spende, an soziale Einrichtungen der Region.
Im Anschluss an den Gottesdienst fand im Laiendormitorium des Klosters ein feierlicher Festakt mit Musik und Gastreden statt. Die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich war ebenso unter den Rednern wie auch EU-Kommissar Günter Oettinger. Der passionierte Weinkenner referierte als Hauptredner zum Thema „Die Bedeutung Europas für die Weinbauregion Rheingau“.

Peter Seyffardt, der zum ersten Mal in seiner Funktion als Weinbaupräsident die Feierlichkeiten eröffnete, plädierte in seiner Rede mit Leidenschaft für ein selbstbewusstes Auftreten der Rheingauer Winzer, gerade im internationalen Wettbewerb: „Auch wenn wir in punkto Masse mit anderen Regionen nicht mithalten können – im Wettbewerb um Qualität müssen wir uns vor niemandem verstecken“, so Seyffardt, der sich zum Ziel gesetzt hat, in Zusammenarbeit mit den Winzern der Region die Sichtbarkeit des Rheingauer Weins im internationalen Wettbewerb zu erhöhen.

Ob EU-Erweiterung („es ist gut, Serbien und Albanien eine Perspektive zu geben“), Friedenssicherung, Schuldenkrise („jeder Luxemburger haftet stärker als wir Deutschen“), oder globale Perspektive („Europa ist die notwendige Betriebsgröße, wenn wir neben China und den USA die Welt von morgen mitgestalten wollen“) – in seiner gut halbstündigen Festansprache hat EU-Kommissar Oettinger viele Themen inhaltsreich angesprochen.

Deutschland allein mache nur rund ein Prozent der Weltbevölkerung aus, Europa stelle gerade einmal sieben Prozent (bei 25 % des Bruttosozialproduktes) verdeutlichte er die Größenverhältnisse. Bei den Wachstumsmärkten der Zukunft sei die EU gar nicht mehr vertreten. In diesem Zusammenhang forderte Oettinger eine gemeinsame Strategie auf europäischer Ebene. Die heutige EU allerdings solle dafür kein Maßstab sein: "Meine Idee von Europa reicht weit über die derzeitige Union hinaus", stellte er klar. „Nur ein starkes, einiges Europa wird als "global player" ernst genommen werden. Mutige Reformen und der Wille zur Einigkeit sind die Voraussetzungen dafür, im "Aufsichtsrat der Welt" mitzureden, in dem über die Grundzüge globaler Politik entschieden wird.

Für EU-Kommissar Oettinger sollte die EU - allen voran Deutschland als Export-Weltmeister - aber nicht nur Produkte, sondern v.a. auch Werte exportieren. „Das sollte gerade der Anspruch Deutschlands sein, mit den leidvollen und schuldhaften Erfahrungen unserer Kriege und den mühsam erreichten Werten im deutschen Grundgesetz, Werte wie Rechtsstaat, wie Meinungsfreiheit, wie Pressefreiheit, wie Gewaltenteilung, wie soziale Marktwirtschaft, wie Subsidiarität, wie starke kommunale Selbstverwaltung, wie Demokratie generell in andere Weltregionen zu exportieren. Wenn Deutschland  also nicht nur die bessere Schweiz werden will – wirtschaftlich stark aber politisch nicht wahrnehmbar – dann ist für Deutschland Europa die –ökonomisch gesagt –die notwendige Betriebsgröße, das Team, in dem unsere Überzeugungen weltweit zu vertreten und auch mit gewissem Einfluss zu erreichen sind. Nur wenn wir gemeinsam auftreten, dann können wir mit China und den USA konkurrieren“, so Oettinger weiter.

„Deswegen haben wir alle in den nächsten Jahren besondere Verantwortung für das Gelingen der europäischen Idee, die aktueller ist denn je. Man kann nur hoffen, dass uns die Kraft dazu nicht abhandenkommt, weder im Deutschen Bundestag, noch in Wirtschaft und Sozialpartnerschaft und auch nicht in den deutschen Medien, denn wir haben leider noch keine europäische Medienöffentlichkeit“, so Oettinger.

„Auch der Rheingau als weltoffene europäische Kulturregion, mit seiner einzigartigen Kulturlandschaft, seiner Tradition, seiner Geschichte und seinen qualitativ in höchster Stufe anerkannten Riesling-Weinen, die weltweit Benchmark sind“, ist von EU-Kommissar Oettinger aufgefordert an der europäischen Idee mitzuwirken.

Zahlreicher Zwischenapplaus und der langanhaltende Applaus am Ende der Festansprache machten es deutlich EU-Kommissar Oettinger hatte mit seinen klaren Worten vielen aus dem Herzen gesprochen.

Auch Weinbauministerin Lucia Puttrich zeigte sich begeistert von der Festrede des EU-Kommissars. „Wir werden nur erfolgreich sein, wenn die Chancen richtig genutzt werden“, lautet ihr Credo. „Damit die Rheingauer Winzerinnen und Winzer auch weiterhin erfolgreich wirtschaften können“, sagt Staatsministerin Puttrich die politische Unterstützung zu, insbes. in der Investitionsförderung, im Steillagenweinbau, in der Frage der Pflanzrechteregelung und im Erhalt der Wetterstationen und des Wetterfaxes nach Schließung der Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes in Geisenheim. In diesem Zusammenhang bedankt sie sich auch für die langjährige gute Zusammenarbeit zwischen dem Weinbauverband und ihrem Ministerium.

Für ein feierliches Rahmenprogramm sorgten der Kirchenchor Hallgarten und der Posaunenchor Bornich. Auch die deutsche Weinprinzessin Sabine Wagner  und die Rheingauer Weinkönigin Julia Jakob, die stellvertretend für alle Weinmajestäten Grußworte an die Gäste richteten, waren Teil des Festakts.